Kategorien
Kommunikation

Reichhaltigkeit von Medien

Choose your weapon! Was ist die Medienreichhaltigkeit und wie sie Dir hilft, das richtige Medium für Deinen Content zu wählen, erfährst Du hier.

In der Pandemie haben wir es alle erlebt: Per Video Call lässt sich ein klar umrissenes Projekt gut besprechen. Eine Diskussion mit differenzierten und mehrdeutigen Positionen ist jedoch deutlich schwieriger zu führen. Wenn die Diskussion mäandert und auf Kommentare wieder Gegenkommentare kommen, dann ist allen Beteiligten schmerzlich klar, dass es vor Ort im Meetingraum deutlich einfacher (und effektiver) gewesen wäre.

Und genau hier setzt die Media Richness Theory an und bietet eine Auswahlhilfe, um zu entscheiden auf welchem Kanal sich welche Botschaft am besten transportieren lässt. Ich stelle Euch die Theorie mal vor und erkläre genauer, wie ich darauf gestoßen bin und was wir daraus lernen können.

Was ist Reichhaltigkeit?

Gemäß den Autoren der Theorie (Robert H. Lengel & Richard L. Daft, in den 1980er Jahren) besteht die Reichhaltigkeit von Medien aus zwei Faktoren:

  • Multimodalität: Welche Darstellungsformen lassen sich abbilden?
    Text, Bild, Ton, Bewegtbild…
  • Synchronizität: Kann der Inhalt durch die Empfänger weitergeleitet, verändert oder kommentiert werden? Wie einfach kann Feedback gegeben werden?

Diese zwei Faktoren hab ich mal als Achsen in eine Matrix gebaut, in der eine hohe Synchronizität + hohe Modalität zu hoher Reichhaltigkeit führen. In diese Matrix können alle Medien einsortiert werden: Von der Pressemitteilung und dem Brief bis zum Messenger und den sozialen Netzwerken. Ich hab das mal für die aktuell verfügbaren Medien gemacht:

Einordnung von Medien nach der Media Richness Theorie
Einordnung der Medien und Kanäle nach der Media Richness Theorie (c) Anna-Maria Palzkill

Doch wie wähle ich das beste Medium für mein Kommunikationsvorhaben?

„The Medium is the Message“

Dieses Zitat des Urvaters der Kommunikationswissenschaft, Marshall McLuhan, ist so perfekt auf den Punkt gebracht, dass es fast der Titel eines Rapsongs sein könnte. Wenn also das Medium bereits Teil der Botschaft ist, kann es die Verständigung erheblich verbessern oder erschweren.

Bekannter Kaffeetassenspruch in allen Unternehmen: I survived another meeting that should have been an email
Bekannter Kaffeetassenspruch in allen Unternehmen, Urheber unbekannt (c) Anna-Maria Palzkill

Wir alle kennen diesen einen (meist männlichen) Vorgesetzten, der regelmäßig zu Meetings einlädt, die einer reinen Frontalvorlesung mit endlosen Monologen gleichen. Da haben wir es alle schon einmal erlebt: Das Gehirn geht automatisch auf Reisen und die Aufmerksamkeit aller Teilnehmenden sinkt. Da hat jemand augenscheinlich den falschen Kanal gewählt!

Dann lassen wir uns mal von der Media Richness Theory leiten, um das richtige Medium für den jeweiligen Content zu finden. Dabei beantworten wir diese drei Fragen:

  1. Wie reichhaltig ist die Kommunikationsaufgabe?
    Ist es ein reiner Fakt (also einfach) oder geht es um Kontext, Emotion, Entwicklung und Feedback (also komplex)? Je einfacher der Inhalt, desto einfacher sollte der Kanal sein und vice versa.
  2. Wieviel Rückkopplung wird benötigt?
    Je mehr Interaktion mit den Empfänger:innen benötigt wird, desto mehr Synchronizität sollte das Medium ermöglichen. Das heißt, wenn die Beteiligung benötigt wird, sollte sie so einfach und unmittelbar wie möglich sein.
  3. Wie mehrdeutig ist die Kommunikationsaufgabe?
    Selbst (vermeintlich) einfache Inhalte können mehrdeutig sein, also anfällig für Missverständnisse. Um genau diese „Übertragungsfehler“ zu vermeiden, sollte man auf reichhaltige Medien zurückgreifen, die eine gewisse Ambiguität abbilden können.

Auf eine kleine Faustformel gebracht, bestimmt die Komplexität eines Themas den notwendigen Kanal: Je komplexer die Botschaft, desto reichhaltiger muss der Kanal sein.

Reichhaltigkeit in Social Meda

In den early days of Social Media hatten wir Diskussionsforen und (zunehmend ausgefeilte) Profilseiten. Heute können wir mit Reels und Stitch this Formaten den Content anderer in Echtzeit kommentieren, verarbeiten und weiter verbreiten – vor den Augen eines Millionenpublikums. In Live Chats können wir Politiker:innen zu ihren Hobbies und Steuerplänen befragen. Kurz gesagt: Wir können in Social Media immer reichhaltiger kommunizieren.

Je reichhaltiger die Message, desto mehr Response

Als ich 2010 meine Diplomarbeit im Auftrag der MFG Baden-Württemberg schrieb, hießen die sozialen Medien noch Web 2.0.

Ich untersuchte damals, wie die Unternehmenskommunikation im Web 2.0 mehrUser Generated Content erzeugen könnte, heute würde man dazu sagen Response generieren.

Meine These war, dass eine reichhaltigere Kommunikation zu mehr Interaktion und Response führt. Also untersuchte ich sämtliche Posts verschiedener Institutionen nach den Dimensionen der Media Richness Theory und vermerkte fein säuberlich jeden Like und jeden Kommentar. Damals waren flickr, twitter und facebook die Waffen der Wahl.

Und was soll ich sagen: Ich hatte recht!

Diejenigen Beiträge mit Text und Bild und Mentions und vielleicht sogar Bewegtbild hatten signifikant mehr Response als die reinen Textinhalte.

Wenn Du also kein Feedback möchtest: Schreib einfach eine Email.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.