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Urban Gardening

Regenwürmer: Die Revolution auf dem Balkon

Regenwürmer fressen meinen Müll und schenken mir feinste fluffige Erde. Warum ich mich für diese Wirbellosen begeistern kann, versuche ich in diesem Beitrag zu erklären.

Ich habe 4.000 Haustiere. Zwar kenne ich sie nicht alle mit Namen, aber ich liebe sie. Mein kleines Wurmkraftwerk auf dem Balkon. Die Regenwürmer fressen unseren Abfall und schenken uns feinsten Humus dafür. Doch warum sollte man sich einen Wurmkomposter in die Stadtwohnung stellen und mit kleinen Wirbellosen bevölkern? Ich versuche mal, diese nerdige Faszination etwas zu beschreiben.

Erde zu Erde für Urban Gardening

Der wunderbar öko-kitschige Film „The biggest little Farm“ beschreibt, wie zwei Städter aus Los Angeles ins wüstenartige Umland ausziehen, um den kargen Boden in eine Farm zu verwandeln. Und stellt Euch vor, womit sie beginnen: Sie stellen einen Wurmkomposter auf! Natürlich ist das bei denen eine riesige Anlage von der Größe einer Garage – nicht zu vergleichen mit meiner Kiste auf dem Balkon.

Aber es illustriert sehr gut, dass ein lebendiger Boden eine wichtige Grundlage für das Leben über der Erde bildet. Regenwürmer durchlüften durch ihre verschachtelten Gänge die Erde und hinterlassen auf ihrem Weg feinsten Humus, der von Pflanzen als Nahrung aufgenommen wird. Natürlich arbeiten Regenwürmer nicht allein, es gibt noch mehr Einzeller und Wirbellose, die mit ihrem monofunktionalen Dasein aus Kauen und Ausscheiden den Weg bereiten. Aber die Einzelheiten dazu erspare ich Euch.

Der Regenwurm als Haustier

Zugegeben, wirklich viel Charme hat der Wurm nicht. Er besteht eigentlich nur aus Mund, Darm und After. Warum ich die kleinen Dinger trotzdem irgendwie mag, hat bestimmt (wie so vieles) mit meinem Großvater zu tun. Er hatte als Angler einen Tontopf voll mit Regenwürmern im Keller zu stehen und wenn es ernst wurde, also die Anglertasche gepackt wurde, wurde ein kleines Holzkistchen mit den Regenwürmern präpariert.

Überrascht war ich davon, wie kräftig die Tierchen sind. Wenn man sie auf die Hand legt, ringeln sie sich ein und kringeln sich so stark wie eine Feder, dass sie springen können! Und das tun sie! Zudem habe ich festgestellt: Man sieht durch die dünne Haut den Darm durchschimmern. Wenn man also eine dicke erdige Linie in dem Wurm sieht, geht es ihm gut.

Die besten Fressmaschinen für den Wurmkomposter stammen aus der Eisenia Familie: Eisenia fetida, Eisenia andrei & Eisenia hortensis. Meine Anfangspopulation von 1.000 Würmern hab ich online gekauft.

„Ich geh die Würmer füttern“

Regenwürmer sind im Grunde wie wir. Sie brauchen Abwechslung im Speiseplan und möglichst viele Mineralien. Mittlerweile ist es bei uns so eingespielt, dass der Vierjährige die Würmer füttern geht und direkt den Wurmtee in die Gießkanne füllt. Denn Würmer verarbeiten nicht nur den Biomüll in Mutterboden, sondern sie erzeugen auch „Wurmtee“. Ein etwas absonderlicher Euphemismus für „Wurm Pipi“. Doch dieser ist mega wertvoll, wir verwenden ihn als Flüssigdünger (ca. 100 ml auf 10 l Wasser).

Das lieben Regenwürmer:

  • Bananenschalen, Kartoffelschalen, Möhrenschalen – sämtliche Schalen von Gemüsen und Obst! Sogar Eierschalen gehen, wobei die supersauber und superklein gerieben sein sollten.
  • Ungewürzte Essensreste aus pflanzlichem Material, egal ob roh oder gekocht. Sogar Nudeln oder Brot können in geringen Mengen vom Wurmvolk verdaut werden.
  • Regenwürmer lieben (unbedrucktes) Papier und Pappe. Als kleiner Snack für zwischendurch gehen immer kleingerissene Klopapierrollen. Teebeutel kommen bei den Zelluloseliebhabern auch extrem gut an.

Regenwürmer fressen täglich die Hälfte ihres eigenen Gewichtes.

Ab und zu bringe ich den Würmern vom Reiterhof einen Beutel Pferdeäpfel mit. Auf diese Festmahlzeit stürzen sie sich dann so schnell, dass die Pferdeäpfel nach drei Tagen wieder wie Heu aussehen.

Das vertragen Regenwürmer nicht:

Weil der ph-Haushalt eines Wurmkomposters neutral sein sollte, dürfen kaum säurehaltige Stoffe rein. Zitrusfrüchte in jeglicher Form sind zu sauer, Kaffeesatz ist nur in sehr kleinen Mengen erlaubt, Zwiebelschalen bitte nur selten. Sonst gelten dieselben Regeln wie beim normalen Kompost auch: keine tierischen Abfälle, keine Molkeprodukte und keine gewürzten Gerichte.

Das macht die Stadtbewohnerin mit dem Humus

Wenn ich in zehn Minuten am Brandenburger Tor sein kann, habe ich natürlich keinen eigenen Garten. Wozu sollte ich also die Erde aus dem Wurmkomposter gebrauchen? Das ist wohl die Stelle, an der ich von meiner perfide geplanten Revolution erzählen muss. Ihr kennt Berlin und wisst, dass diese Stadt auf Sand gebaut ist? Dann wisst ihr sicher auch, dass dieser Sandboden extrem nährstoffarm ist, Regenwasser nicht besonders gut speichern kann und die meiste Zeit nur als Staub über die Straße geweht wird. Mein Masterplan ist, die Erde rund um mein Haus so lange mit dem „schwarzen Gold“ aus der Wurmkiste aufzufüllen, bis die Pflanzen realisieren, dass sie sich nun viel besser ausbreiten können. Ich robbe mich damit nun Quadratzentimeter für Quadratzentimeter vor – und wer weiß – irgendwann hab ich vielleicht das Brandenburger Tor erreicht!

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